Das Freie Corps Austro-Germania ist keine farbentragende Verbindung herkömmlichen Zuschnitts.


Seit der Gründung am 28. Oktober 1975 sind wir durch alle farbstudentischen Täler gekrochen und haben von erhabenen Höhen in die sonnige Welt gelugt. Wir ließen feurige Bomben erschallen und wir kehrten das Gesicht zur Wand. Über all dem machten wir das Bierlein rinnen, ließen den Eulen das Klagen und vergaßen nie, daß heute heut ist. Wir sind ein Corps, weil wir nur wenige Brüder sind, denen Corpsgeist über vieles geht. Wir haben keine regelmäßigen Chargenwahlen, weil wir keine Chargen brauchen. Wir brauchen einen, der uns repräsentiert: laßt den uns Senior nennen, der das am besten kann. Wir brauchen auch einen, der sich ein wenig um die Corpsfuchsen kümmert. Das ist der Fuchsmajor, jener, der vor grauen Zeiten ein Fuchsenstadium in unserem Corps angeregt hat. Wir brauchen aber auch einen, der den Überblick behält und zu leistende Arbeit einmahnt. Soll dieser doch der Consenior sein. Um lederne Ideen raufen wir keine heißen Kämpfe - wenn Veranstaltung ist, gilt ein CC, ein Corpsconvent, als angesetzt. Wenn es Probleme zu lösen oder Entscheidungen zu treffen gilt, dann sprechen wir darüber. Wir schlagen keine Mensuren, wenn's einer aber partout will, so soll er es denn tun; wir würden aber streng darauf achten, wo er sich einpaukt: deutsch-nationales Rabaukentum ist uns zuwider. Wir kennen keine "4 Prinzipien", wie unser Corps auch keinen Sitz hat, doch sind wir keine grundsatzlosen Gesellen und unser Corps kein herumziehender Haufen. Unser Corps ist dort, wo Austro-Germanen sind, tres faciunt auf jeden Fall collegium und was wir wollen und lieben, wissen wir auch so. Parteienzank ist uns zuwider, ob das Abendmahl in beiderlei Gestalt oder gar nicht eingenommen wird, das ist dem Corps als solchem einerlei. Wir wissen doch, daß auch so der Papst herrlich in der Welt lebt.

O alte Burschenherrlichkeit, Du bist in die A-G, so kürzen wir uns ab, entschwunden, wo wir Dich mit offenen Armen empfangen haben. Hier lebt der Comment, weil wir ihn leben, nicht aufschreiben. Wir singen zwar in unserem Bundeslied, daß wir mit Gesang und Liebe in unseren Freudentempel einzögen, doch ganz ehrlich: wir gehen gar nicht erst hinaus! Zwar wissen wir, daß draußen uns der Gott der Freude, unser großer Corpspatron, beschützt, den wir unter uns den Großen Gumbel nennen, aber..........

 

 

Dem Gott der Freude opfern...


 

Wer seines Leibes Alter zählet nach Nächten, die er froh durchwacht,

wer, ob ihm auch der Taler fehlet, sich um den Groschen lustig macht:
der findet in uns seine Leute, der sei uns brüderlich gegrüßt –

weil ihn wie uns der Gott der Freude in seine sanften Arme schließt!

 

Wenn von dem Tanze sanft gewieget, von Flötentönen süß berauscht,

feins Liebchen sich im Arme schmieget und Blick um Liebesblick sich tauscht,
da haben wir's im Flug genossen und schnell den Augenblick erhascht,

und - Herz an Herzen festgeschlossen - der Lippen süßen Gruß genascht.

 

Wein kannst du mit Gold bezahlen, doch ist sein Feuer bald verraucht,

wenn nicht ein Gott in seine Strahlen, in seine Geisterglut dich taucht.
Uns, die wir seine Hymnen singen, uns leuchtet seine Flamme vor,

 und auf der Töne freien Schwingen steigt unser Geist zum Geist empor.

 

Drum, die ihr frohe Freundesworte zum würdigen Gesang erhebt,

euch grüß' ich, wogende Akkorde, daß ihr zu uns herniederschwebt.
Sie tauchen auf, sie schweben nieder, im Vollton rauschet der Gesang,

und lieblich hallt in unsre Lieder der vollen Gläser Feierklang.

 

So haben's immer wir gehalten und bleiben fürder auch dabei.

Und mag die Welt um uns erkalten, wir bleiben ewig jung und neu:
Denn wird einmal der Geist uns trübe, wir baden ihn in altem Wein

und ziehen mit Gesang und Liebe in unsren Freudentempel ein.

 

Wilhelm Hauff

 

 

Der Gott der Freude lebt, weil wir an ihn glauben. Wir glauben an den Gott der Freude, weil es ihn dann gibt.

 

 Das Jahr des Heils 2011

 
Weinkenner bezeichnen den Jahrgang 1811 als legendär. Er wird kurz "Elfer" genannt und gilt als Jahrtausendjahrgang. Farbstudenten wissen, daß es noch andere Gründe gibt, warum dieses 11-er Jahr so besonders war. Selbst der krasseste Fux kennt die Bedeutung der Zahl 11. Die Heilswirkung des Jahres 11 strahlt aber nicht nur auf commentfähigen Stoff, also etwa Wein, aus. Die besonderen Wirkungen dieses Gnadenjahrs werden insbesondere Farbstudenten zuteil. Als Biersohn seiner anatolischen Majestät Würzls, unseres Hohen Seniors, fühle ich mich in ebendieser anatolischen Nachfolge befugt und berufen, ein wichtiges Zeichen zu setzen. So höret:
 
Ich rufe für das Jahr 2011 ein Gnadenjahr aus!
 
Nicht jeder Generation ist es vergönnt und beschieden, ein solches 11-er Jahr farbstudentisch feierlich begehen zu können. Seid euch dieser Gnade bewußt. Daher sei jeder dazu angehalten, seinen unverzichtbaren Beitrag zu leisten: Veranstaltungen sollen unter diesem besonderen Gesichtspunkt durchgeführt werden und an ausgewiesenen Gnaden-Orten stattfinden. Ein Konzil soll einberufen werden. Die Bierwissenschaftliche Versuchsanstalt soll einen Sonder-Forschungsschwerpunkt einrichten. Der Gesang soll inbrünstiger erklingen. Das Bier soll andächtiger getrunken werden. Wie überhaupt alles mehr g´hört“. Jetzt erst recht!
 
tröpflein
 
PS: Wer uns kennt, der wird's schon ahnen: 2011 wird bei uns perpetuiert...!

 

 

 Letzte Aktualisierung 23. November 2016